Am 11.05.2026 drehte sich beim European Monday alles um ein Thema, das angesichts der aktuellen Entwicklungen kaum relevanter sein könnte: die sicherheitspolitische Lage Europas und ihre Bedeutung für Österreich. Brigadier Dr. Nikolaus Rottenberger, Leiter der Abteilung Militärdiplomatie im Bundesministerium für Landesverteidigung, gab im Café Erde in Graz einen eindrucksvollen Einblick in die neuen sicherheitspolitischen Realitäten unserer Zeit.
Der Abend machte deutlich, wie grundlegend sich Europas Sicherheitsordnung in den letzten Jahren verändert hat. Der Krieg in der Ukraine, geopolitische Spannungen, Cyberangriffe, hybride Bedrohungen und gezielte Desinformation zeigen, dass Sicherheit heute nicht mehr nur an Landesgrenzen oder militärischen Fähigkeiten gemessen werden kann. Sie betrifft vielmehr Gesellschaft, Infrastruktur, digitale Systeme, politische Stabilität und internationale Zusammenarbeit gleichermaßen.
Besonders interessant war Rottenbergers Einschätzung zum sicherheitspolitischen Potenzial Europas. Er zeigte auf, dass Europa über enorme Ressourcen, Fähigkeiten und Expertise verfügt, diese aber noch konsequenter gemeinsam denken und einsetzen müsse. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit wurde deutlich, dass Europa keineswegs nur reagieren muss, sondern durchaus die Voraussetzungen hat, selbstbewusst und handlungsfähig aufzutreten.
Ein weiterer spannender Punkt war die internationale Rolle Österreichs und des Österreichischen Bundesheeres. Trotz der vergleichsweise kleinen Größe Österreichs ist die Expertise des ÖBH weltweit gefragt – etwa in der militärdiplomatischen Zusammenarbeit, im Krisenmanagement, in internationalen Missionen und durch die lange Erfahrung mit Neutralität und Vermittlung. Diese Perspektive zeigte eindrucksvoll, dass Österreich sicherheitspolitisch mehr Gewicht hat, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Rottenberger ging zudem auf die praktische Bedeutung der österreichischen Neutralität, die Rolle der Landesverteidigung, Wehrpflicht und Miliz sowie auf aktuelle Bedrohungsszenarien ein. Themen wie Drohnen, Sabotage, Blackout-Risiken und der Schutz kritischer Infrastruktur machten deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen geworden sind und wie wichtig eine umfassende sicherheitspolitische Vorbereitung ist.
Statt einfacher Antworten bot der Abend viele Denkanstöße: Wie kann Österreich seine Sicherheit in einem veränderten Europa gewährleisten? Welche Kooperationen braucht es mit europäischen Partnern? Und wie gelingt es, militärische, zivile und digitale Sicherheit besser miteinander zu verbinden?
Die anschließende Diskussion griff diese Fragen intensiv auf. Zahlreiche Beiträge aus dem Publikum zeigten, wie groß das Interesse an sicherheitspolitischen Themen ist und wie stark die aktuellen Entwicklungen auch in Österreich wahrgenommen werden.
Vielen Dank an Brigadier Dr. Nikolaus Rottenberger für die spannenden Einblicke und an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den lebendigen Austausch!
This project is co-funded by Erasmus+ and Land Steiermark.
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