Der European Monday vom 04.11.2024 stand unter dem Thema „Vietnam und Kambodscha – Krieg, Genozid und Europas Blick auf Südostasien“ und fand wie gewohnt in unserem Stammlokal, dem Dizzy’s Pub, statt.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen, um einen zugänglichen und gleichzeitig fundierten Einblick in dieses dunkle Kapitel der südostasiatischen Geschichte zu erhalten – und dabei den Bogen zur Europäischen Union und ihrer heutigen Rolle in der Region zu schlagen.

Die Speaker des Abends – unsere Mitglieder Jana und Paul, die beide persönliche Erfahrungen aus einem Auslandsaufenthalt mitbrachten – kombinierten historische Fakten, politische Analyse und anekdotische Eindrücke aus erster Hand. Nach einem knappen Überblick über die wichtigsten geografischen und kulturellen Merkmale Vietnams und Kambodschas sowie einem Vergleich mit Österreich widmeten sie sich der Frage, wie diese Länder zu dem geworden sind, was sie heute sind.

Zunächst wurden die Geschichte von Vietnam und Kambodscha historisch eingeordnet: von der über tausendjährigen chinesischen Herrschaft über Dynastien wie die Lý bis hin zu den regionalen Mächten wie dem Khmer-Reich. Anschließend ging es um die dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, insbesondere den Vietnamkrieg und die extreme Gewalt, die Kambodscha unter den Khmer Rouge von Pol Pot erlebte. Ein Satz der Roten Khmer prägt diese Zeit besonders:

„Ein oder zwei Millionen junger Leute reichen völlig, um das neue Kamputschea aufzubauen.“ Ein zynischer Slogan – und Vorbote eines der schlimmsten Genozide der Weltgeschichte.

Da sowohl Kambodscha als auch westliche Staaten diese Verbrechen bis heute nur selektiv aufarbeiten, richteten die Speaker den Blick bewusst auch auf eine (mögliche) europäische Verantwortung. So wurde etwa der Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika (1904–1908) angesprochen – ein Beispiel dafür, dass Genozide keine rein „fernen“ Ereignisse sind, sondern auch Teil europäischer (Kolonial-)Geschichte.

Im zweiten Teil des Abends ging es stärker um die Gegenwart und die Beziehungen zwischen Europa und Südostasien. Der Fokus lag auf der diplomatischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit seit den ersten intensiveren Kontakten zwischen Vietnam und der EU im Jahr 1990. Besonders hervorgehoben wurde das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam von 2020, das den Weg für umfassenden Zollabbau und wirtschaftliche Vertiefung geebnet hat. Bei Kambodscha hingegen prägt heute vor allem die geopolitische Situation das Verhältnis – insbesondere die Positionierung der EU gegenüber Russland.

Nach dem offiziellen Vortragsteil nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich mit den Speakern auszutauschen, Fragen zu stellen und eigene Gedanken einzubringen. Der Abend klang in lockerer Atmosphäre gegen 23:15 Uhr aus – und wie so oft wurde nicht nur über das eigentliche Thema, sondern auch über andere internationale Entwicklungen diskutiert.

Vielen Dank an unsere Vortragenden und an alle Interessierten, die teilgenommen haben!

This project is co-funded by Erasmus+ and Land Steiermark.

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